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Karosserie

Vorbereitungen und Kauf

Seit Monaten war ich auf der Suche nach einem brauchbaren und vor allem zahlbaren Golf 1 Caddy. Die Suche sollte nicht umsonst gewesen sein. Schließlich bekam ich von meinem guten Kumpel Balu den Wink, dass sein Bekannter einen zu verkaufen hätte. Bereits beim Kauf war klar, dass der Caddy umfangreich umgebaut werden sollte. Dementsprechend verwundert war dann auch der Verkäufer denn weder eine Probefahrt noch das Starten des Motors war nötig um den Handel zu besiegeln. Schließlich sollte der Caddy nur noch die etwa 20km zur heimischen Werkstatt absolvieren. Ab jetzt hieß es schrauben, schrauben, schrauben...

Doch bevor es an den Caddy gehen konnte, musste noch ein zuvor erworbener Golf 1 GTI ausgeschlachtet werden. Er stellte einige wichtige Teile für den Caddyumbau zur Verfügung. Darunter die Innenausstattung, Hinterachse, Hinterachsdome, B-Säulen, Stabi u.v.m.

Boden und Verlängerung

Die Verlängerung des Innenraums war einer der ersten Schritte, die vollzogen werden sollten. Hierzu wurden 'einfach' die längeren Türen des Golf 1 an den Golf 1 Caddy, welcher bekanntlich die sehr kurzen Türen des 4-Türers hatte, montiert. So einfach ist die Sache natürlich nicht.

Um der Karosserie die nötige Stabilität zu verleihen mussten zuerst einige Bodenbleche durch Neuteile ersetzt werden. Erst jetzt konnte an das Zersägen kurz vor der B-Säule gedacht werden. Erst wurden aus 40er Stahlrohren Querverstrebungen, dann teleskopartige Längstraversen eingeschweißt. Diese dienten dazu, das Fahrzeug nach dem Schnitt exakt und gleichmäßig wie eine Schublade auseinander zu schieben.

Die langen Türen dienten dabei als Maß der Verlängerung (ca.20cm). Während den Anpassungsarbeiten an den B-Säulen stellte sich heraus, dass sich die Türen des 2- und 4-Türers nicht nur in Länge, sondern auch in Form der B-Säulen unterscheidet. Also mussten die B-Säulen des Schlachtgolfes an die Stelle der Caddysäulen eingeschweißt werden.

Erst nach dem Tausch der (längeren) Innen- und Außenschweller konnte der Hilfsrahmen aus 40er-Stahlrohren wieder entnommen werden. Ein Großteil dieser Rohre wanderte sofort in die Hohlräume der Schweller und der Dachholme. Die Lücke im Dach wurde zuerst mit dem ebenfalls geschlachteten Dach des 1er-Golf geschlossen. Anschließend wurde ein groß dimensioniertes Stück wieder entfernt um die Montage eines Farmont Glashubdaches zu ermöglichen.

Die Übergänge des eingesetzten Dachstreifens mußten verzinnt und geebnet werden. Anschließend wurden die letzten Unebenheiten mit Spachtel beseitigt. Danach wurde das Dach mit Kontrollschwarz lackiert um auch noch die letzten Wellen erkennen zu können.

Das Bodenblech im Innenraum wurde grundiert, dann mit Dichtmasse abgedichtet und nochmals grundiert. Anschließend erfolgte eine Lackierung in Schwarz-matt.

Hinterachse und Tank

Neben der Verlängerung der Karosserie stand auch noch die Umrüstung der Hinterachse auf eine Verbundlenkerachse des Golf 1 GTI an. Nachdem die Blattfedern samt Haltern entnommen waren, wurden die originalen Hinterachsreparaturbleche des Golf 1 eingepasst und verschweißt. Somit war die wichtige Verbindung der Hinterachse zum Fahrzeug vorbereitet. Weitere Befestigungspunkte sollten die beiden Hinterachsdome aus dem bereits erwähnten 1er Golf sein.

Nachdem links und rechts ein entsprechendes Stück Blech im Innenradlauf ausgeschnitten wurde, konnten die beiden Dome eingesetzt und mehrfach verschweißt werden. Ab sofort erledigen an der Hinterachse MCPherson- Federbeine ihren Dienst. Durch die völlig geänderte Hinterachskonstruktion wurde der Platz zwischen Tank und Hinterachskörper beim Einfedern bedenklich knapp. Deshalb musste der Tank rund 2cm höhergelegt und die Hinterachse entsprechend bearbeitet werden.

Heckblech/doppelter Boden

Aus Kosten- und Stabilitätsgründen wanderte die originale Heckklappe auf den Schrott. An ihre Stelle trat ein schraubbares Heckblech ohne VW-Schriftzug Marke "Eigenbau" aus 1,5mm Blech. Auch der komplette Heckbereich unterhalb der Heckklappe musste rostbedingt erneuert werden.

Die Stoßstange entstammt eigentlich eine Jetta 2 (nicht GL-Version!) und wurde mittig zersägt. Mit selbst gefertigten Haltern wurde sich dann links und rechts montiert - das Kennzeichen sitzt nun mittig dazwischen.

Auf der Ladefläche wurde im Bereich des Ersatzrades (eigentlich unterhalb der Fahrzeugs befestigt) ein doppelter Boden eingeschweißt. Er sollte beide Batterien, Ersatzrad, Warndreieck... enthalten. Auch die Ladefläche selbst erhielt einen doppelten Boden. Unter ihm sollten künftig die elektrischen Leitungen verlaufen. Um Klappergeräusche zu verhindern wurden die Leitungen mit Schaumgummi umgeben.

Abdeckung Ladefläche

Nachdem aus L-Profil eine Befestigungskante gefertigt und verschraubt war, konnte die Deckeldichtung montiert und die Konstruktion des Rahmens und der Scharniere beginnen. Ebenfalls aus L-Profilen wurde der Grundrahmen mit Verstärkungen geschweißt. Nach einiger Tüftelei und Versuchen mit Musterteilen wurde dann die endgültige Version der Drehpunkte der Abdeckung gefertigt werden. Abschließend dient Alu-Riffelblech als Deckel der Ladefläche und wertet diese zum vollwertigen Kofferraum auf.

Die Verrieglung der Klappe übernehmen zwei Türschlösser aus dem 1er Golf. Sie werden mit je zwei Stahlseilen über einen Stellmotor elektrisch angesteuert. Um auch in stromlosen Zeiten noch in den Kofferraum zu kommen, wurden auch 2 Stahlseile zur Notentriegelung in den Innenraum gelegt. 2 Gasdruckdämpfer eines Passat 32b übernehmen die Haltefunktion der Abdeckung.

Der Kofferraum wurde zum Schluß mit Teppich und teils rotem Leder ausgestattet. Auf der Fahrerseite wurden innen Halogenlampen zur Beleuchtung installiert. Die Bodenmatten wurden letzlich vom Sattler mit rotem Kunstleder eingefasst.

Motorraum und Front

Im Motorbereich wurde die Spritzwand entfernt, verschiedene unnötige Löcher geschlossen, beide Federbeindome verschweißt und somit verstärkt. Der Halter der Batterie wurde ersatzlos entfernt - Strom kommt jetzt aus dem Kofferraum.

Auch das Frontblech bedurfte wegen eines leichten Frontschadens und kräftig Rostbefall der Erneuerung. Um die neuen Kotflügel wieder anständig befestigen zu können, wurden beide Kotflügelbefestigungskanten neu eingesetzt.

Die Befestigung der Außenspiegel beider Türen wurde verschlossen und ca. 20cm weiter nach vorne versetzt.

Auf der Basis eines Kühlergrills vom Golf Cabrio entstand ein emblemloser Grill mit Einzelscheinwerfern. Hierzu wurde das VW-Zeichen und die Halter der Nebelscheinwerfer herausgetrennt und die enstandenen Öffnungen mit Teppichleisten aus dem Baumarkt verschlossen. Anschließend mußte der Grill noch geglättet und lackiert werden.

Nachdem die Innenkotflügel wieder neu abgedichtet worden waren, wurde zuerst überlackierbarer Unterbodenschutz und dann die endgültige Lackschicht aufgebracht.

Rost, Rost, Rost

Neben all den Änderungen der Karosserie mussten immer wieder viele Teile wegen starkem Rostbefall erneuert werden. Hierzu gehörten u.a. beide Seitenteile, Innenradläufe, Kotflügel, Heckblech, Bodenbleche, Schweller, Kotflügelkanten, Frontblech, Motorhaube, Heckblech...

Lackierung

Die Lackierung wurde in Indischrot (Porsche) durch die Firma Auer in Baltmannsweiler erledigt. Obwohl man den Lackierern ja oft nachsagt, sie wären unzuverlässig und schlampig, so muß man ganz klar sagen:

Saubere und pünktliche Arbeit! Dank an Werner! :-)

Innenraum

Die beiden Steuergeräte für ABS und Motorsteuerung sind im Fußraum links bzw. rechts installiert. Beide Geräte sind durch eine Abdeckung in verzinkten Stahlblech abgedeckt. Die Abdeckungen wurden komplett mit Teppich überzogen.

Die B-Säulen, welche normalerweise nicht verkleidet sind, wurden bis zum Himmel mit schwarzem Teppich überzogen. Ebenso die Rückwand zur Ladefläche. Der Himmel selbst besteht aus Kunstleder und wurde vom Sattler speziell nach Angaben gefertigt. Nach der Montage folgten die Sonnenblenden, der Innnenspiegel und das Glasdach. Der Tepichboden stammt aus einem Golf 1 GTI. Der hintere Teil wurde jedoch entsprechend den geänderten Maßen des Caddy angepasst.

Auch die Staufächer im Fahrzeugboden wurden mit Teppich überzogen.

Ursprünglich war geplant, die originalen Recaro-Sitze des geschlachteten Golf 1 GTI neu beziehen und überarbeiten zu lassen. Da jedoch die Preisvorstellung des Sattlers nicht von dieser Erde war, wurden gebrauchte RECARO Avus-Sitze verwendet. Da die Sitzposition durch die zugehörigen Recaro-Konsolen zu hoch war, wurden klappbare Polo II-Konsolen auf starr und passend für den Caddy umgebaut.